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Sollte man sich als Agentur auf ein einziges CMS festlegen?

von Gino Cremer / Zuletzt aktualisiert am 11/08/2016 / Webdesign / Wordpress / 0
Vor wenigen Tagen veröffentlichte Gerrit Van Aaken einen interessanten Tweet, der mich nicht mehr los ließ. Ich habe mich anschließend konkret mit seiner Frage beschäftigt: Warum sollte man sich als Agentur auf ein einziges CMS festlegen?

Ob Gerrit Van Aaken nun Recht oder Unrecht hat, sollte wohl jeder für sich selber entscheiden. Wobei man sagen muss, dass es hier eh nicht um Richtig oder Falsch geht. Vielmehr ist es eine Frage der Betrachtungsweise.

Kann ein einzelner Webworker wirklich mehr als ein CMS perfekt beherrschen?

Wer sich als Freelance-Webworker ganz im Alleingang durch die Web-Welt ackert, wird schon glücklich sein, wenn er überhaupt dazu kommt, ein CMS richtig zu beherrschen. Schließlich gilt es Kunden-Termine, Coding-Sessions, Projektmanagement, Buchführung, Familienleben, Fortbildung und nächtliche Entwickler-Foren-Recherche irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Wer da sogar zwei CMS „aus dem Eff-Eff“ beherrscht, hat entweder den heiligen Gral des 48-Stunden-Tages entdeckt oder vernachlässigt einfach seine Familie, seine Buchführung oder seine Kunden.

Beherrsche dein Werkzeug – Aber so richtig!

Das Allerwichtigste ist meiner Meinung nach, dass man sein Werkzeug perfekt beherrscht. Ob das Werkzeug sich nun Drupal, Typo3, WordPress oder sonst wie nennt, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass man bis ins kleinste Detail das System kennt – inklusive aller Schwächen, Stärken, Tücken und Fallstricke. Erst dann ist man in der Lage, alles aus einem System heraus zu kitzeln. Alles andere ist „Streicheln an der Oberfläche“. Und bei der rasanten Entwicklung der Open-Source-Systeme ist es eher unwahrscheinlich, dass man mehrere dieser CMS-Boliden gebändigt bekommt und 100% beherrscht.

Selbst wenn eine Agentur mehrere Entwickler beschäftigt, heißt das ja noch nicht, dass es Sinn macht gleich mehrere CMS zu bedienen. Vielmehr stellt sich in Punkto Effizienz die Frage, ob nicht dennoch auf eine Karte gesetzt werden sollte (natürlich mit dem Risiko, eventuell aufs falsche Pferd gesetzt zu haben) – alleine um Know-How, Code-Snippets oder firmeninterne Wiki-Beiträge universal einsetzbar machen zu können. Manche Fluggesellschaften setzen ebenfalls auf „ein und dasselbe Flieger-Modell“ – für die gesamte Flotte. Damit kann jeder Pilot jede Maschine fliegen und die Wartung wird deutlich vereinfacht. Warum sollte das in dieser Form nicht auch für Agenturen funktionieren?

Und wie sollte die Kundenberatung konkret aussehen?

Meiner Meinung nach sollte eine Agentur dennoch die Stärken und die Schwächen der einzelnen Systeme kennen und im Sinne des Kunden evaluieren, welches System für ihn am besten geeignet wäre. Anschließend sollten entsprechende Spezialisten im Rahmen einer Projekt-Kooperation zu Rate gezogen werden.

Konkreter formuliert: Wenn ich auf WordPress spezialisiert bin, werde ich nicht versuchen über die Installation von „Drölfzig“ Plugins ein ausgetüfteltes Pseudo-SAP-System zu etablieren. Vielmehr sollte ich dann die Grenzen des Systems (und eventuell auch meine eigenen) kennen und entsprechend Experten anderer Systeme konsultieren und einbeziehen. Bin ich beispielsweise auf Typo3 spezialisiert und erhalte eine Anfrage des Metzgers von nebenan („Können Sie mir eine Homepage machen? Sie machen doch was mit Internet, oder?“), ist es nur fair, ihm eine einfache statische HTML-Seite anzubieten ohne Schnick-Schnack – statt irgendein Typo3-Ungetüm zu Wasser zu lassen.

Aber wie ist das aus Kunden-Sicht?

Kurz und knapp: Vollkommen unterschiedlich.

  • Wer konkret nach einem CMS sucht, braucht auch Spezialisten. Da ist es nur folgerichtig, eine Agentur zu suchen, die ein CMS so richtig beherrscht.
  • Wer eine kleine Unternehmenswebsite benötigt, sollte sich genau beraten lassen, welches System für dieses eine Projekt die besten Ergebnisse erzielt.
  • Wer nur ein paar „Über Uns“-Seitchen benötigt, braucht vielleicht gar kein CMS. Und wenn doch, kommt vielleicht ein so genanntes „Flat-File-CMS“ in Frage. Diese Systeme sind ziemlich simpel und kommen ohne Datenbank aus. Günstig im Unterhalt und flott aufgesetzt.

Ausnahmefall: Ergänzende „Mini-CMS“

In der Praxis ist es dennoch ratsam, neben einem „Boliden“ wie WordPress, Drupal oder Typo3 (um mal nur die Populärsten zu nennen), ein „Flat-File-CMS“ für kleinere überschaubarere Webprojekte einzusetzen. Systeme wie „Kirby“ kommen ohne Datenbank aus, laufen daher auch auf günstigen Hostingpaketen rasant und sind pflegeleicht. So kann man je nach Umfang des Projektes, Zielsetzung und gewünschten Funktionalitäten zwischen A oder B wählen. Die Lernkurve bei diesen Systemen ist meist relativ niedrig, so dass man sich ein solches System durchaus als „Zweitwagen“ leisten kann. Die optimale Ergänzung!

Fazit

So blöd es klingen mag: Ob man sich als Agentur auf ein CMS spezialisieren sollte, ist am Ende eine Frage der Sichtweise, des Kundenumfeldes und hängt vielleicht auch ein Stückchen von der Agentur-eigenen Zielgruppe ab. So oder so lohnt es sich aber, ein ergänzendes „Zweit-CMS“ zu beherrschen, welches die Schwächen des „Haupt-CMS“ optimal kompensiert.


Gino Cremer

Ich bin Geschäftsführer der auf Weblösungen spezialisierten Agentur Pixelbar aus dem belgischen Eupen.

Ich habe langjährige Erfahrung mit CMS-basierten Kundenprojekten, vornehmlich auf WordPress-Basis und bin ein Webdesigner der ersten Stunde.

Daneben arbeite ich auch als Dozent und Berater am WIFI Wien im Bereich Social Media und Webdesign.

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