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Prism, Tempora, Big Brother und „Five Eyes“: Mit Blockbuster-Qualität!

von Gino Cremer / Zuletzt aktualisiert am 19/08/2016 / Netzwelt / 0

Es klingt unglaublich. Der kreativste Drehbuchautor der Menschheitsgeschichte hätte sich einen derartigen Knaller wohl nur unter Drogeneinfluss oder respektive und extrem-ausgeartetem Verfolgungswahn aus dem Gehirn pressen können. Was aktuell durch den US-Whistleblower Edward Snowden losgetreten wird würde als Kinostreifen wohl in die Kategorie „an den Haaren herbeigezogen“ oder „vollkommen unrealistisch“ eingestuft. Stattdessen ist es bittere Realität. Was ist da los?

Ein kleiner Trost vorweg: Diesmal sind einfach alle betroffen. Endlich gibt es keine Kluft mehr. Die Schere zwischen den ewig-besserwissenden Facebook-Datenschutz-Missionaren und den alles-veröffentlichenden Facebook-Junkies klappt zusammen. Schnipp, Schnapp. Die Rede ist von dem wohl umfassendsten Datenschutz-Skandal in der Geschichte der Menschheit. Nachdem der US-Whistleblower Snowden das umfassende Abhör-Modell der USA Namens PRISM offengelegt und sich in Hongkong in Sicherheit gebracht hatte, ließ er kurz später die nächste Bombe hochgehen. PRISM sei im Vergleich zu dem was der britische Geheimdienst unter dem Namen TEMPORA durchführt ein Witz.

Der einfache Taschenspieler-Trick hinter TEMPORA

Tempora ist technisch betrachtet sehr schnell erklärt. Zwischen den USA und Europa liegt ein Unterseekabel, welches gezwungenermaßen Großbritannien passiert. Was macht also der britische Geheimdienst? Daten kommen aus der Leitung, Daten werden kopiert, Daten werden analysiert! Und das nicht zu knapp. Hunderte Mitarbeiter des Geheimdienstes grasen alles ab. Alles. Alles! Ihre Datenschutzeinstellungen bei Facebook gleichen Fort Knox? Prima. Bringt Ihnen aber nichts. Sie werden dennoch „belauscht“. Das „Beste“ daran? Die Technik ist so simpel. Während in der DDR zu Stasi-Zeiten vor Ihrer Haustüre noch mühsam Übertragungswagen postiert werden mussten, um krächzend und knarzend Telefonate mitlauschen zu können, ist die Digitaltechnik derart fortgeschritten, dass die Mitarbeiter auf der Insel Ihre Daten, Telefonate und E-Mails bequem vom Bürostuhl aus registrieren und auswerten können. Zu allem Überfluss agieren Großbritanien und die USA im Duett und bündeln Ihre Daten und Informationen zu einer gewaltigen Ur-Suppe an Informationen. Mehrstimmiges Saugen im Daten-Kanon.

Mehr noch als die Menge überraschen Dreistigkeit und Lüge

Betrachtet man die Menge an ausgewerteten Daten und Informationen könnte einem bereits Übel werden. Bedeutend mehr Übelkeit erzeugt aber die unverfrorene Dreistigkeit, mit der sich demokratische Nationen wie im Selbstbedienungsladen an den Daten Fremder vergreifen. So wird sich nicht nur fleißig bedient und der einem schwarzen Loch gleichende Daten-Wanst unter dem Deckmäntelchen der Terrorgefahr bis zum Bersten gefüllt, sondern das ganze noch stolz als legal proklamiert. Traurigerweise scheint die Legalität tatsächlich gewahrt, was die Lage für Viele wohl noch aussichtsloser macht.

Die Offenlegung und Veröffentlichung der Spähprogramme ist ein erster Schritt die Öffentlichkeit aufzuklären. Doch nun?  Unwahrscheinlich, dass sich die Raubtiere an den Fleischtöpfen aus Eigendisziplin und in Eigenregie dem herrlich duftenden Datenfutter entziehen. Was tun? Ja, was tun? Gegen diese Übermacht ist doch jeder Einzelne hoffnungslos verloren. Oder nicht?

Der Orwell’sche Totalüberwachungs-Deckmantel für die gute Sache

Spätestens die Argumentation der Geheimdienste man agiere doch nur der guten Sache wegen sollte wohl die Hoffnung an Vertrauen in Nationen, Gesetzgebung und Politik im Keime ersticken. Wer nichts verbricht, dem nichts passiert. Einverstanden, die Sicherheit ist wichtig. Sehr wichtig sogar. Doch so wichtig? Sicher nicht! Banditen und Ganoven gehörten schon im Wilden Westen hinter schwedische Gardinen. Doch ein umfassendes Ausspionieren ausnahmslos aller Menschen ohne jedwelche Legitimation unter dem Deckmantel der internationalen Sicherheit ist nicht mehr grenzwertig, sondern grenzüberschreitend.

Solang ich nichts Böses mache, ist das doch egal, oder?

Sie argumentieren, solange Sie nichts verbrechen sei doch alles im Lot? Prima. Doch was schlussendlich als Verbrechen eingestuft wird, entscheiden am Ende gar nicht mehr Sie. So kann jedwelches Aufbäumen gegen Regierungen unmittelbar als Bedrohung der nationalen Sicherheit eingestuft und entsprechend sanktioniert werden. Die freie Meinungsäußerung ist in Gefahr! Was als Aufbäumen begriffen wird, entscheidet wer am längeren Hebel sitzt bzw. die größte Festplatte sein Eigen nennt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Die Utopie der „totalen Sicherheit“

Wären PRISM und TEMPORA so erfolgreich und effektiv wie immer behauptet wird, stellt sich die Frage warum Terror-Anschläge wie in Boston passieren konnten. Schließlich werden sich Schurken wohl kaum per Brieftaube verständigen. Sicherlich ist die Erklärung aber einfach: Hunderte Mitarbeiter der Geheimdienste sahen vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr und waren gerade im Begriff zu analysieren, warum im Gottes Namen die Katze von Lieschen Müller auf Facebook zum Chart-Stürmer wurde und viral den Netz-Traffic unnötig in die Höhe schnellen ließ…da gehen einem vor lauter Daten-Trash mal schnell wirklich relevante Informationen durch die Lappen. Applaus.


Gino Cremer

Ich bin Geschäftsführer der auf Weblösungen spezialisierten Agentur Pixelbar aus dem belgischen Eupen.

Ich habe langjährige Erfahrung mit CMS-basierten Kundenprojekten, vornehmlich auf WordPress-Basis und bin ein Webdesigner der ersten Stunde.

Daneben arbeite ich auch als Dozent und Berater am WIFI Wien im Bereich Social Media und Webdesign.

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